Warum Quanten-Forschung wichtig ist, Netzausbau aber auch

Warum Quanten-Forschung wichtig ist, Netzausbau aber auch

Die Veranstaltung sollte eigentlich einen Einblick in die Kommunikation der Zukunft geben. Doch bei der Vorstellung des Zwischenstands beim Projekt QuNET kämpfte das Team um Bundesforschungsministerin Anja Karliczek mit den „Tücken der Gegenwart“, wie Tagesspiegel Background berichtete. Anscheinend behinderten Netzwerkprobleme die Übertragung aus dem BMBF. Das ist schade, denn das Projekt QuNET, bei dem es um abhörsichere Quanten-Verschlüsselung geht, ist so spannend wie ehrgeizig. Aber ein wenig passte es auch zu einem Thema, bei dem gewaltige Versprechen derzeit noch auf viele reale Probleme prallen. Dennoch ist Quantum Computing längst keine Utopie mehr. Das wurde auch vergangenen Woche bei der EXPLAINED Konferenz von Microsoft Berlin deutlich, wo Forscher, Gründer und politische Entscheider über den Stand der Quanten-Forschung und die spannendsten Anwendungsbereiche diskutierten. 

Fakt ist, Deutschland und Europa wollen bei der Entwicklung dieser disruptiven Technologie unbedingt von Anfang an dabei sein. Deshalb stellt die Bundesregierung im Rahmen ihres im Sommer beschlossenen Konjunkturpakets zwei Milliarden Euro für die Förderung der Quantentechnologie bereit. Und das europäische Förderprogramm Quantum Flagship ist mit einem Budget von einer Milliarde Euro auf zehn Jahre ausgestattet. Wie schon beim Thema Künstliche Intelligenz stehen wir hierzulande vor der Herausforderung eine starke Grundlagenforschung in markfähige Anwendungen und Produkte zu übersetzen. Und auch bei der Ausbildung künftiger Quanten-Programmierer gibt es noch viel zu tun.

 Doch die Anstrengung wird sich auszahlen. Auch wenn es wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauert, bis erste kommerzielle Anwendungen auf Quantencomputern umgesetzt werden können, so ist das Innovationspotential in Bereichen wie in Pharma oder Chemie, Finanz- oder Energiewirtschaft und Industrieproduktion gewaltig. Und auch zum Klimaschutz könnten Quantencomputer mit ihrer Fähigkeit, komplexeste Berechnungen in Sekundenbruchteilen durchzuführen, einiges beitragen. Das wurde in dem Explained-Vortrag von Microsoft-Scientist Matthias Troyer deutlich. Er forscht unter anderem daran, wie sich mit Quantencomputern die Eigenschaften von Katalysatoren berechnen lassen, mit deren Hilfe CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden könnte.

Weil es bisher an ausgereifter Hardware mangelt, werden viele künftige Anwendungen für Quantencomputer derzeit noch auf herkömmlichen Rechner simuliert. Dennoch liefert Quantum Computing schon heute viele neue Denkanstöße. Microsoft Scientist Matthias Troyer brachte das so auf den Punkt: „Momentan formulieren wir die Probleme, die wir später mithilfe des Quantum Computing lösen wollen. Und schon auf dem Weg dahin entdecken wir ganz neue Lösungen.“ So brauchen wir heute unbedingt beides: Die Beschäftigung mit der Zukunft und die Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Mein persönliches Fazit: Quanten-Forschung ist wichtig, Netzausbau auch.

Unter dem Hashtag #SoBetrachtet teile ich zum Wochenende an dieser Stelle regelmäßig Gedanken, Erlebnisse und Erkenntnisse. Sie sind - Ihr seid - herzlich eingeladen, mitzulesen und mitzudiskutieren

Sibylle Barden

3xAuthor | Advisory Boards | Thought Leader in Stakeholder Capitalism | ESGs & SDGs | Leading Platform for Global Pioneers - writes, talks about #sustainableeconomy

3y

sehr spannend

Like
Reply
Andre Kiehne

Founder & CEO @ digital.fwd | Executive Coach | Advisory Board Member | Investor | Author | ex-Microsoft + NTT + Fujitsu + Siemens

3y

Da kann ich nur zustimmen - bei mir auf dem Land lässt die Bandbreite auch auf sich warten und viele Lokale Firmen werden dadurch in der Digitalisierung gebremst

To view or add a comment, sign in

Explore topics