Last Call Germany: Digitalisierung ist auch eine Frage von Prioritäten
Alt Text: Mehrere Personen, die an einem Meetingtisch sitzen und einer Frau zusehen, die auf einem Bildschirm Ergebnisse präsentiert.

Last Call Germany: Digitalisierung ist auch eine Frage von Prioritäten

Fast 60 Prozent der Deutschen halten die Bundesregierung bei Thema Digitalisierung für wenig kompetent. Und nicht einmal zehn Prozent der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik trauen den Bundesressorts zu, den digitalen Wandel zu meistern. Das ist das Ergebnis des Digitalreports 2020 von Allensbach und ESCP Business School. Tatsächlich ist die Bilanz der letzten zwei Jahrzehnte nicht allzu rosig. So hatte sich Deutschland im Jahr 2000 mit dem Programm »Bund Online 2005« auf den Weg zum digitalen Staat gemacht. Heute liegen wir in Sachen E-Government auf Rang 24 in der EU. Die 2003 angekündigte und seit 2016 endlich verfügbare elektronische Gesundheitskarte enthält bis heute wenig nur ein paar administrative Daten. Im Vergleich dazu bewegt sich der Digitalpakt für Schulen regelrecht zügig: 2016 angekündigt, werden nun wohl endlich die ersten Gelder fließen.

Aber auch in der Wirtschaft steht nicht Alles zum Besten. In einer aktuellen Bitkom-Umfrage bezeichnet eine deutliche Mehrheit (58%) der Geschäftsführer und Vorstände ihr eigenes Unternehmen als Nachzügler in Sachen Digitalisierung. Tatsächlich verfügt laut Bitkom nur jedes dritte Unternehmen hierzulande über eine zentrale Digitalstrategie, gerade mal jedes fünfte investiert in die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells. Und auf die Frage, weshalb man sich an der Unternehmensspitze so wenig um den Einsatz neuer Technologien kümmert, antworten 37 Prozent der Manager: „Ich habe dafür keine Zeit“. 

Es stimmt, wir alle haben keine Zeit, besser gesagt, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Denn der Abstand zu den führenden Digital-Nationen wächst unaufhörlich. Dabei geht es auch um Geld: In den USA sind die pro Kopf-Ausgaben für IT mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland und steigen doppelt so schnell. Aber es geht nicht allein um Geld, wie es z.B. PISA-Spitzenreiter Estland eindrucksvoll beweist. Es geht vor allem auch darum, welche Prioritäten wir setzen. Bitkom-Präsident Achim Berg hat jetzt zum „Last Call Germany aufgerufen und betont völlig zurecht: „Digitalisierung ist kein nettes Extra, kein Nice-to-have. Weiteren Verzug oder gar Rückschritte können und dürfen wir uns nicht mehr leisten.“ Was jetzt dringend zu tun ist, formuliert die Bitkom-Digitalstrategie 2025 klar und deutlich. Jeder Entscheider in Wirtschaft, Politik oder Bildungswesen sollte sich nicht nur die Zeit nehmen, diese Handlungsempfehlungen zu lesen, sondern vor allem auch, sie schnellstmöglich umzusetzen.  

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An dieser Stelle möchte ich regelmäßig „Aufgelesenes“ rund um Digitalisierung & Gesellschaft als Gedankenfutter zum Wochenende mit Ihnen/Euch teilen. #aufgelesen

Sarah Torkornoo

Supporting Business Starters in creating their signature offer and positioning themselves online | Personal Branding Coach & Online Business Mentor | "Empowered You!" Podcast 🎧

4y

Schöner Artikel Sabine Bendiek...Tatsächlich hat Deutschland ein Problem. VIele deutsche Unternehmen legen nach wie vor extremst viel Wert auf Sicherheit und sind dementsprechend nicht sehr risikofreudig. Innovation bedarf aber genau das - die Risikobereitschaft neue Dinge auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Und zwar ohne Garantie, dass man ein ROI darauf bekommt... Und das ist bei Digitalisierungs- und Innovationsthemen m.E. auch in Ordnung, denn so entsteht Fortschritt!

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