In der Datenökonomie ist Teilen das neue Gewinnen

In der Datenökonomie ist Teilen das neue Gewinnen

Dass Israel in Sachen Covid-19-Impfungen so viel besser als Deutschland dasteht, habe auch etwas mit Digitalisierung zu tun, schreibt der Spiegel. Tatsächlich liefert das Land statistische Daten im Austausch gegen Impfdosen. Und wenn Biontech und Pfizer demnächst erklären können, wie zuverlässig ihr Impfstoff die Übertragung des Coronavirus verhindert, werden diese Erkenntnisse auch auf Daten aus Israel beruhen. Auch die WHO soll die israelischen Datensätze erhalten – als wertvolles Werkzeug in der Pandemiebekämpfung. Dass ausgerechnet Israel den Daten-gegen-Impfstoff-Deal eingehen konnte, liege an der Verbreitung elektronischer Patientenakten im Land, so der Spiegel. Das Land verfüge über die „umfangreichste digitale medizinische Datenbasis der Welt“. Deren Inhalte werden - in anonymisierter Form - Forschern und medizinischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. KI-Systeme helfen dabei, Korrelationen aufzuspüren oder Hypothesen zu überprüfen.

 Von solchen Möglichkeiten sind wir in Deutschland noch meilenweit entfernt. Allerdings wächst auch hierzulande das Bewusstsein für den Wert von Daten – und der Wille, sie zum Wohl der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Das zeigt sich auch in der jetzt vom Bundeskabinett verabschiedeten Datenstrategie. Das Papier soll die „verantwortungsvolle Datennutzung“ in Deutschland verbessern und das Potenzial offener Daten für „für gesellschaftlichen Fortschritt und nachhaltiges Wachstum“ erschließen. Dafür werden auf über 100 Seiten mehr als 200 Einzelmaßnahmen aufgelistet, wie u.a. „Datenlabore“ und „Chief Data Scientists“ für die Bundesministerien, die Förderung von Forschungsdatenzentren und Zukunftsinfrastrukturen und eine „Nationale digitale Lehroffensive“ für Datenkompetenz.

 Die Initiative stößt auf breite Zustimmung, Lob kommt sogar von sonst eher kritisch eingestellten Akteuren. So erkennt Netzpolitik.org einen „bemerkenswerten Paradigmenwechsel“. Statt sich „weiter an der Frage festzubeißen, wie Unternehmen an mehr Daten von Bürger:innen kommen können“, gehe es jetzt „in erster Linie darum, wie die Forschung verbessert werden kann, wie Unternehmen und andere Akteure zu Datenkooperationen gebracht werden können und wie der Staat im Umgang mit Daten fit gemacht wird“. Kooperation ist an dieser Stelle ein entscheidendes Stichwort. Unternehmen müssten sich dafür öffnen, ihre Daten mit der Konkurrenz zu teilen, erklärte Kanzleramtschef Helge Braun bei der Vorstellung der Datenstrategie. Tatsächlich brauchen wir an dieser Stelle ein echtes Umdenken. Die Bereitschaft, Daten zu teilen, ist eine entscheidende Voraussetzung, um in der digitalen Ökonomie erfolgreich zu sein. Das betont auch das Hightech-Forum, in seinem Impulspapier ‚Zukunft der Wertschöpfung‘: „Die digitale Transformation braucht einen Kulturwandel, durch den die Öffnung des Innovationsprozesses und das Teilen von Wissen nicht als Gefahr, sondern als Chance gesehen wird“.

 

 

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